Baugeschichte

Die Entstehung der Burg

Burg Gnandstein in winterlichem GewandBildansicht vergrößern

Trutzig wacht Burg Gnandstein, Sachsens besterhaltene romanische Wehranlage, auf einem Porphyrit-Felsen über dem Tal der Wyhra. Ihre Anfänge liegen zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Zunächst entstand auf dem unbesiedelten Felssporn eine umlaufende, annähernd rechteckige Ringmauer, an deren Südwestecke sich ein Wohnturm, Vorgängerbau unseres heutigen Bergfriedes, befunden hat. Um 1220 / 1230 entstand der viergeschossige Bau des Palas, eines der besterhaltenen Beispiele eines solchen Gebäudes in Sachsen. Die ersten drei Geschosse waren massiv in Bruchstein ausgeführt. Ein viertes Fachwerkgeschoss und der Dachstuhl überlagerten den Massivbau. Im dritten Obergeschoss befindet sich der Palassaal, ein von schlichter Schönheit geprägter Raum. Verschiedene romanische Bauelemente haben die Zeiten überdauert, so z. B. das eine Zweierarkade mit Kleeblattabschluss bildende Fenster in der Westwand oder das Zugangsportal in der Nordwestecke des Saales.

In der gleichen Bauphase dürfte auch ein Vorgängerbau des heutigen Ost-Flügels, der sogenannten Kemenate, entstanden sein. Bauarchäologische Untersuchungen haben im heutigen 1. Obergeschoss des Gebäudes eine bauzeitliche Altarnische zu Tage befördert. Im Urbau der Kemenate hat sich demzufolge eine romanische Kapelle befunden.

 

Ausbau bis Ende des 14. Jahrhunderts

Zwinger-Anbau an Burg GnandsteinBildansicht vergrößern

Nur wenig später, vermutlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts, wurde der Ringmauer im Osten eine Zwingermauer vorgelagert, ein wesentlicher Ausbau der Verteidigungsanlagen. Gleichzeitig entstand der 33 m hohe Bergfried. Er besitzt an seinem Fußpunkt eine umlaufende Mauerstärke von 3,50 m. Im inneren des Bauwerkes befanden sich ursprünglich 6 hölzerne Stockwerke und der originale Zugang in ca. 8 Metern Höhe war nur über Leitern erreichbar. Im Inneren ist ein Kaminzug nachgewiesen. Diese Konstruktionsweise verdeutlicht die Doppelfunktion des Bergfriedes. Einerseits natürlich Aussicht- und Wachturm, war er für die Burgbesatzung auch der letzte Zufluchtsort der Burgbestatzung im Falle einer Belagerung bzw. Einnahme der Burg, wenngleich eine solche Nutzung nicht überliefert ist.

Am Ende des 14. Jahrhunderts kam es nach einer längeren Ruhephase zu erneuter Bautätigkeit. So wurde das bestehende Fachwerkgeschoss des Palas abgebrochen und durch einen Massivbau ersetzt. Um 1410 kam es dann zur Aufstockung des Bergfriedes und zum Einbau der Türmerstube.

 

15. bis 18. Jahrhundert

Zwinger der Burg GnandsteinBildansicht vergrößern

Im 15. Jahrhundert kam es zur Errichtung einer Bastion im Bereich des Zwingers. Sie diente als Kompensation für einen in diesem Bereich befindlichen und abgebrochenen Flankierungsturm.

Noch in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde das Torhaus errichtet. Zeitgleich entstand an der Südwestecke des Palas ein auf fünf Konsolen ruhender Erker, möglicherweise auch zur Verteidigung des Torzuganges.

Im 15. Jahrhundert kam es in Gnandstein zu einer Verschiebung des Nutzungsinteresses weg von der Oberburg hin zum gesamten Bereich der Unterburg. Im Zuge der damit im Zusammenhang stehenden Baumaßnahmen wurden die Gebäude des Nord-, Süd- und Westflügels über den Hang hinausgeschoben, was einen enormen Raumgewinn zur Folge hatte. Als Nebeneffekt entstanden dabei teils mehrgeschossige Kellergewölbe, die zunächst zu Verteidigungszwecken ausgebaut wurden. Die damaligen Baumaßnahmen in deren Ergebnis u. a. der Nord- und der Südflügel seine bestehende Form erhielten, prägen noch heute das Erscheinungsbild der Burganlage.
Das 17. Jahrhundert war geprägt von zahlreichen Zerstörungen. 1632 zogen schwedische Truppen durch den Ort, drangen in die Burg ein und zündeten die Kemenate an. Von diesem Brand wurden auch die Gebäude des Palas und des Südflügels in Mitleidenschaft gezogen. Weitere Zerstörungen entstanden infolge von Blitzeinschlägen und daraus resultierenden Bränden. Die Schäden wurden wohl nur notdürftig repariert. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam es zu einer barocken Umgestaltung der Gebäude und Fassaden, die diesen ihr heutiges Aussehen verlieh. Die Innengestaltungen der Räume des Südflügels geschahen ebenfalls in dieser Zeit.

 

18. Jhd. bis Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs

BurghofBildansicht vergrößern

Die Zeit des ausgehenden 18. und besonders des 19. Jahrhunderts waren geprägt von kleineren Reparaturen bzw. Rekonstruktionen. 1812 wurden die an der Hofseite des Nordflügels befindlichen Holzgalerien wegen ihres desolaten Zustandes abgebrochen. Eine im Bereich des Westgiebels des Gebäudes eingebaute Innentreppe sicherte den Zugang zur Kapelle bzw. zur Empore. Um 1840 erfolgte schließlich der Bau des noch heute benutzten Treppenaufgangs an der Südseite der Burg. Gleichzeitig fanden im Bereich des Palas Reparaturarbeiten statt. Die maroden romanischen Fenstersäulen wurden teilweise gegen Kopien ersetzt und eine erste Fensterverglasung eingebaut.

Mit Übernahme der Burg Gnandstein durch Hanns von Einsiedel zu Anfang des 20. Jahrhunderts begann die touristische und museale Nutzung der Anlage. In diesem Zusammenhang erhielt der Bergfried einen neuen Zugang und eine hölzerne Wendeltreppe. Die Plattform inklusive des teilweise zerstörten Zinnenkranzes konnte in diesem Zusammenhang repariert werden.

Nach Ende des 2. Weltkrieges und dem Übergang der Burganlage in Volkseigentum waren die Träger ständig bemüht, trotz knapper Mittel, notwendige Reparaturen an den Gebäuden der Burg durchzuführen. Anfang der 50er Jahre kam es zu starken Sturmschäden an verschiedenen Dächern der Burggebäude, die anschließend wieder erneuert werden konnten. In den Jahren 1964 / 1965 wurde das seit 1932 als Gaststätte genutzte Gebäude auf der Westseite des Felssporns komplett umgebaut.

 

Seit 1990

Historische Küche im PalasBildansicht vergrößern

Mit der politischen Wende 1990 ergaben sich auch für Burg Gnandstein große Veränderungen. Bereits im Herbst des Jahres begannen umfangreiche archäologische Grabungen im Bereich des Bergfriedes bzw. des Zwingers. Im Anschluss wurde die Zwingeranlage rekonstruiert. Zeitgleich begannen die Planungen für die Reparatur / Rekonstruktion der verschiedenen Gebäude der Burg. Im Laufe der Jahre konnten Südflügel, Bergfried, Palas, Kemenate, Anbau und Kapellenflügel zunächst statisch konstruktiv überarbeitet werden. Auch der Bergfried wurde in diesem Rahmen überarbeitet und konnte 1998 wieder für den Besucherverkehr geöffnet werden. Danach begann der Innenausbau der Gebäude, der mittlerweile fast abgeschlossen ist.