Besitzergeschichte

Blick durch das Tor der Burg GnandsteinBildansicht vergrößern

In den Wirren nach dem plötzlichen Tod Kaiser Heinrich VI. 1197 trat die Region um Gnandstein erstmals aus dem Dunkel der Geschichte hervor. Der energische Kaiser hatte nach dem Tod Markgraf Albrechts von Wettin 1195 die Markgrafschaft Meißen unter Missachtung der Erbansprüche des jüngeren Bruder Dietrich eingezogen und durch reichsländische Herrschaftsträger verwalten lassen. Beim Tod des Kaisers befand sich Dietrich im Heiligen Land, kehrte sofort zurück und riss die Mark Meißen an sich. In dieser Zeit, 1197, trat erstmals ein Norbert von Schladebach, gemeinsam mit seinen Söhnen Heinrich und Conrad in einer markgräflichen Urkunde als Zeuge auf. Es handelte sich bei diesem Geschlecht um Ministeriale Dietrichs aus seiner Weißenfelser Burgmannschaft und vermutlich auch um die ersten Bauherren der Burg Gnandstein.

Der Baubeginn der Anlage liegt vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts. Um 1223 haben die von Schladebach ihren Ursprungsort verlassen und sind in das nähere Pleißenland, vielleicht schon nach Gnandstein umgesiedelt. Eine erste urkundliche Erwähnung im Bezug auf Gnandstein erfahren sie im Jahre 1228 als „Heinricus et Cunradus frates de Nannenstein“ (Heinrich und Conrad Brüder zu Gnandstein). Im folgenden Jahr erscheinen sie als „Heinricus de Gnannenstein et frates Conradus Castrenses de Vroburg“ (Heinrich von Gnandstein und sein Bruder Conrad Burgmannen zu Frohburg).

 

Kapelle der Burg GnandsteinBildansicht vergrößern

Ende des 13. Jahrhunderts verschärften sich die Gegensätze zwischen der Zentralgewalt und den Wettinern. Verschiedene Kriegszüge deutscher Könige nach Thüringen und Sachsen bestätigen dies. Die sogenannte „Schlagt bei Lucka“ 1307, endend mit einem Sieg der Wettiner über ein königliches Kontingent bildete den Endpunkt dieser Auseinandersetzungen und führte zur endgültigen Festigung der wettinischen Macht in unserem Territorium. Die Familie von Schladebach / Gnandstein trat in dieser Zeit kaum in Erscheinung. Möglicherweise hatte sie die fronten gewechselt und sich der Reichsgewalt unterstellt. Jedenfalls zeichnete sie nach der Schlacht bei Lucka nicht mehr als „von Gnandstein“. Spätestens 1317 hat sie Gnandstein verlassen. Vor 1327 kamen die Burggrafen von Leisnig als reichsländische Herrschaftsträger in den Besitz Gnandsteins, denn vermutlich in diesem Jahr trat Burggraf Heinrich von Leisnig seinen halben Teil Gnandsteins an seinen Bruder Otto ab. Dieser urkundete 1333 „zu Genantstein uff dem Hause“.

Mit dem Erstarken der wettinischen Macht wurden mehr und mehr getreue Bedienstete der Markgrafen von Meißen im sächsischen Raum ansässig. In diesem Zusammenhang erschien auch die Familie von Einsiedel in unserem Territorium. Es handelt sich vermutlich um ursächsischen Adel, der in Einsiedel bei Chemnitz seinen Ursprung hatte. 1299 wird ein „Guntherus de Einsedelen“ als Burgmann auf der Reichsburg Zschopau erwähnt. Im Jahre 1409 sind die von Einsiedel erstmals als Besitzer der Burg Gnandstein nachgewiesen, nachdem sie bereits Ende des 14. Jahrhunderts das in der Nachbarschaft gelegenen Rittergut Prießnitz besessen hat. Die Familie sollte über 500 Jahre die Geschicke der Herrschaft Gnandstein lenken.

 

Hildebrand I. von EinsiedelBildansicht vergrößern

Mit Hildebrand I. von Einsiedel (um 1400 – 1461) beginnt das geschichtlich fassbare Handeln der Familie auf Gnandstein. Er wurde 1428 durch Kurfürst Friedrich II. zum Obermarschall ernannt. Ihm unterstanden damit die Finanzen und Steuern, aber auch das Münz- und Bergwerkswesen. Er zählte damit zu den einflussreichsten Männern in Sachsen. Nach Hildebrands Tod übernahm sein Sohn Heinrich I. von Einsiedel (um 1435 – 1507) die Gnandsteiner Herrschaft. Auch landespolitisch trat er als Berater der sächsischen Landesherren in die Fußstapfen seines Vaters. Sein besonderer Einfluss auf Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht zeigte sich besonders während der Leipziger Teilung 1485. Obwohl ein Gegner der Zersplitterung der wettinischen Lande war er als Berater an den Teilungsverhandlungen beteiligt. Es gelang ihm, die Grenzziehung zwischen Kurfürstentum und Herzogtum Sachsen durch seine Gnandsteiner Herrschaft verlaufen zu lassen. Er blieb damit Untertan beider Fürsten. 1492 erwarb er Anteile von ergiebigen Silbererzminen bei Geyer. Im Jahre 1499 stiftete er die Burgkapelle und deren Ausstattung. Es entstanden drei Flügelaltäre, deren Gesprenge und Schnitzereien durch Peter Breuer in Zwickau geschaffen worden. Als er 1507 starb wurden 40 Dörfer und Dorfanteile „vom Gnandstein“ regiert.

 

Heinrich Hildebrand von EinsiedelBildansicht vergrößern

Die Lutherische Reformation bracht auch für die Herrschaft Gnandstein große Veränderungen mit sich. Die von Einsiedel, Haugold (um 1462 – 1522) bzw. seine wesentlich jüngeren Stiefbrüder Heinrich Hildebrand (1497 – 1557) und Heinrich Abraham (1504 – 1568), zählten zu den ersten sächsischen Adligen, die sich offen zur Reformation bekannten. Dies brachte sie binnen kürzester Zeit in Widerspruch zum streng altgläubigen Herzog Georg, Burg und Dorf Gnandstein lagen nach der Leipziger Teilung im albertinischen Teil Sachsens. Die folgenden Auseinandersetzungen gipfelten 1527 / 28 darin, dass Georg die Einsiedels aufforderte, dem ketzerischen Glauben abzuschwören oder ihre Besitzungen im Herzogtum Sachsen aufzugeben und wegzuziehen. Die Einsiedels beugen sich teilweise dem Ansinnen Georgs, lassen ihre protestantischen Prediger ziehen und besetzen die Kirchenstellen zunächst nicht wieder. Nach dem Tod des Herzogs 1539 setzte sich dann auch im Herzogtum Sachsen die Reformation durch. Geprägt von der humanistischen Gesinnung des älteren Bruders beschäftigte sich Heinrich Hildebrand von Einsiedel speziell nach dem deutschen Bauernkrieg mit dem überkommenen System der Frondienste. Er sah diese als ein Unrecht an und wollte sie durch Lohnarbeit ersetzten. Zu diesem Thema entspann sich ein intensiver Briefwechsel mit Martin Luther und anderen Reformatoren. Luther wies mit dem berühmten Spruch „Ohne Muss rührt der Bauer weder Hand noch Fuß“ eine Aufhebung der Frohndienste von sich. Heinrich Hildebrand vermachte in seinem Testament ca. ein Drittel seines Vermögens seinen Untertanen. Die daraus hervorgegangene Stiftung hatte noch bis in das 20. Jahrhundert Bestand.

 

Hildebrand III. von EinsiedelBildansicht vergrößern

Das 17. Jahrhundert war für die Burg Gnandstein und ihre Besitzer eine schwere Zeit. 1632 zogen schwedische Truppen durch den Ort und zündeten die Kemenate an. 1647 wurde der Südflügel durch Blitzschlag stark beschädigt. Ungeachtet der drückenden Probleme begann Hildebrand III. von Einsiedel (1566 – 1647) mit der künstlerischen Ausgestaltung der Grablege seiner Familie in der Gnandsteiner Dorfkirche. Es entstanden neun Epitaphien der einsiedelschen Burg- und Patronatsherren und zwei ihrer Ehefrauen.

Mitte des 18. Jahrhunderts lasteten erstmals Schulden auf dem Rittergut Gnandstein. Trotzdem waren die Einsiedels ständig bemüht, die Burg und das Rittergut Gnandstein zu erhalten und zu bewirtschaften.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts übernahm mit Alexander von Einsiedel (1780 – 1840) ein künstlerisch vielseitig begabter Mann die Herrschaft Gnandstein. Neben Gedichten und Charaden schuf er um 1812 Porträts seiner Vorfahren nach den Epitaphien in der Dorfkirche.

 

Blick in die Sammlung und Schenkung von Margarete GroßBildansicht vergrößern

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Gnandstein von einer Erbengemeinschaft verschiedener Mitglieder der Familie von Einsiedel zum Teil gemeinsam bewohnt. Diese Zeit war geprägt von einer äußerst schwierigen wirtschaftlichen Lage. Dennoch konnten im Bereich des Rittergutes einige größere Reparaturarbeiten durchgeführt werden.

Das beginnende 20. Jahrhundert stand ganz im Zeichen des aufkommenden Tourismus. Auch die Burg Gnandstein, in Person Hanns von Einsiedels (1878 – 1958) öffnete dem geneigten Besucher einige Räumlichkeiten der Burg, so die Kapelle und den Rittersaal. Ab 1911 konnte der Bergfried erstiegen werden. Schließlich öffnete Hanns von Einsiedel 1929 das Heimatmuseum Burg Gnandstein. 1939 verkaufte er schließlich Burg und Rittergut an seine Tochter Sybilla von Friesen. In den Wirren des 2. Weltkrieges kam schließlich auch das Museum auf Burg Gnandstein zum Erliegen.


Blick über Burggarten und BurgBildansicht vergrößern

Im Zuge der Bodenreform wurde auch die Familie von Einsiedel / von Friesen enteignet und musste die Burg verlassen. Während die Familie von Friesen die sowjetische Besatzungszone  verließ, lebten Hanns und Elfriede von Einsiedel bis zu ihrem Tod in Räumen des Altenburger Schlosses.

Im Mai 1947 öffnete das Kreismuseum des Kreises Borna in den Räumen der Burg seine Pforten. 1952 wurde die Burg der Landesregierung Sachsen direkt unterstellt, schließlich wurde es Kreismuseum des Kreises Geithain unter Rechtsträgerschaft der Gemeinde Gnandstein.

Nach der politischen Wende wurde die Burg Gnandstein wieder in das Eigentum des Freistaates Sachsen, in die wieder gegründete Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen übernommen. Seit 2003 ist die Burg Mitglied des Staatsbetriebes Staatliche Schlösser Burgen und Gärten Sachsen.